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SehenswürdigkeitenGuide · 8 Minuten Lesezeitvon Tina

Derinkuyu: Die faszinierende unterirdische Stadt in Kappadokien

Entdecke Derinkuyu, die größte unterirdische Stadt der Türkei. 8 Stockwerke tief, Platz für 20.000 Menschen und ein geniales Belüftungssystem.

Derinkuyu: Die faszinierende unterirdische Stadt in Kappadokien

Stell dir vor, du stehst in einer kleinen türkischen Kleinstadt, um dich herum staubige Straßen und unscheinbare Häuser. Nichts deutet darauf hin, dass sich unter deinen Füßen eine komplette Stadt verbirgt, die bis zu 85 Meter in die Tiefe reicht. Genau so ging es mir, als ich zum ersten Mal nach Derinkuyu kam. Von außen? Absolut unspektakulär. Aber dann steigst du die ersten Stufen hinab und plötzlich ändert sich alles.

Derinkuyu ist nicht einfach nur eine Höhle oder ein paar unterirdische Gänge. Es ist eine vollständig durchdachte, mehrstöckige unterirdische Stadt, in der einst bis zu 20.000 Menschen gleichzeitig leben konnten. Mit Kirchen, Weinpressen, Vorratsräumen und einem ausgeklügelten Belüftungssystem, das bis heute funktioniert. Ich nehme dich heute dabei mit auf eine Reise in die Tiefe und verrate dir alles, was du für deinen Besuch wissen musst.

Unterirdische Gänge und Tunnel in Derinkuyu, Kappadokien

Was ist Derinkuyu? Ein Überblick

Derinkuyu (türkisch für "tiefer Brunnen") liegt in der Provinz Nevsehir in Zentralanatolien, etwa 30 Kilometer südlich von Nevsehir und rund 40 Kilometer von Göreme entfernt. Die unterirdische Stadt gilt als die größte und tiefste ihrer Art weltweit. Was von Forschern bisher freigelegt wurde, umfasst acht Stockwerke, wobei Experten vermuten, dass es noch deutlich tiefer geht.

Das Beeindruckende: Hier unten gab es wirklich alles, was man zum Leben brauchte. Schlafkammern, Küchen, Lagerräume für Lebensmittel, Ställe für Vieh, eine Kirche, eine Schule, Weinpressen und sogar ein ausgefeiltes Belüftungssystem mit über 50 Schächten. Die Menschen konnten sich hier monatelang komplett selbst versorgen, ohne jemals an die Oberfläche zu müssen.

Die Geschichte von Derinkuyu: Wer hat diese Stadt gebaut?

Vorab lass gesagt sein, dass die Geschichte von Derinkuyu selbst unter Historikern noch für Diskussionen sorgt. Die ältesten Teile der unterirdischen Stadt werden den Hethitern zugeschrieben, die hier bereits um 1.400 v. Chr. erste Tunnel und Räume in den weichen Tuffstein gruben. Der vulkanische Tuffstein Kappadokiens war dafür ideal: weich genug zum Bearbeiten, aber er härtete an der Luft aus und wurde extrem stabil.

Später nutzten die Phryger die Anlage und erweiterten sie um mehrere Stockwerke. Doch die größte Ausbauphase erlebte Derinkuyu unter den frühen Christen. Während der römischen Christenverfolgung und später bei den arabischen Überfällen im 7. und 8. Jahrhundert dienten die unterirdischen Städte als Zufluchtsort. Ganze Gemeinden zogen sich für Wochen oder Monate unter die Erde zurück, wenn Gefahr drohte.

Auch während der osmanischen Zeit wurden die unterirdischen Städte genutzt. Griechisch-orthodoxe Christen suchten hier Schutz vor Verfolgung. Erst im 20. Jahrhundert gerieten die Anlagen weitgehend in Vergessenheit, bis 1963 ein Bewohner beim Renovieren seines Kellers zufällig eine Wand durchbrach und dahinter ein ganzes Labyrinth entdeckte.

Derinkuyu Altes Gefäß

Die 8 Stockwerke: Was erwartet dich unter der Erde?

Von den acht zugänglichen Stockwerken kannst du als Besucher aktuell vier besichtigen. Und glaub mir, das reicht völlig aus, um komplett überwältigt zu sein. Hier ein Überblick, was dich auf den verschiedenen Ebenen erwartet:

Obere Stockwerke (1-2): Ställe und Vorratskammern

In den oberen Ebenen befanden sich vor allem Ställe für Vieh und große Vorratsräume. Die Bewohner lagerten hier Getreide, Öl und andere Lebensmittel. Große Steinkrüge, die in den Boden eingelassen wurden, dienten als natürliche Kühlschränke, da die Temperatur unter der Erde konstant bei etwa 13 Grad Celsius liegt.

Mittlere Stockwerke (3-4): Wohn- und Gemeinschaftsräume

Hier wird es spannend: In den mittleren Stockwerken findest du Wohnräume, Küchen und Gemeinschaftsbereiche. Die Räume sind erstaunlich gut durchdacht, mit Nischen in den Wänden für Öllampen und kleinen Kanälen zur Belüftung. Besonders faszinierend ist die Weinpresse, die zeigt, dass das Leben hier unten nicht nur ums Überleben ging, sondern durchaus auch Genuss eine Rolle spielte.

Untere Stockwerke (5-8): Kirche und Schutzräume

In der fünften Ebene befindet sich eine beeindruckende Kreuzförmige Kirche mit einer Deckenhöhe von über zwei Metern. Hier fanden Gottesdienste statt, während oben auf der Erde der Feind wütete. Die tieferen Stockwerke dienten als letzte Zuflucht und Lagerräume für Wasser.

Derinkuyu Food Storage

Das geniale Belüftungssystem

Das ist nicht nur beeindruckend, es ist natürlich auch ingenieurtechnisch eine Meisterleistung. Über 50 Lüftungsschächte durchziehen die gesamte Anlage und verbinden alle Stockwerke mit der Oberfläche. Der größte Schacht reicht bis in 85 Meter Tiefe und diente gleichzeitig als Brunnen für die Wasserversorgung.

Das Belüftungssystem war so clever angelegt, dass selbst in den tiefsten Ebenen frische Luft zirkulierte. Die Schächte waren dabei bewusst schmal gehalten, damit kein Angreifer sie als Zugang nutzen konnte. Wenn ich dort unten stand und die kühle, frische Luft spürte, konnte ich kaum glauben, dass dieses System vor über 3.000 Jahren ohne moderne Technik gebaut wurde.

Die Rollsteintüren: Schutz von innen

Ein geniales Detail sind die riesigen, runden Rollsteintüren, die nur von innen bewegt werden konnten. Diese tonnenschweren Steinscheiben (bis zu 500 Kilogramm) konnten vor die Gänge gerollt werden, um einzelne Stockwerke oder die gesamte Stadt abzuriegeln. Von außen waren sie nicht zu öffnen. Das gab den Bewohnern die Sicherheit, sich bei Gefahr komplett einschließen zu können.

Zusätzlich gab es ein raffiniertes Kommunikationssystem: Durch schmale Sprachrohre konnten die verschiedenen Stockwerke miteinander kommunizieren, ohne dass die Bewohner sich physisch treffen mussten.

Derinkuyu vs. Kaymakli: Welche unterirdische Stadt besuchen?

Neben Derinkuyu gibt es in Kappadokien über 200 unterirdische Städte, aber die bekannteste Alternative ist Kaymakli, die nur etwa 10 Kilometer nördlich liegt. Tatsächlich sind die beiden Städte sogar durch einen etwa 9 Kilometer langen Tunnel miteinander verbunden, der allerdings nicht begehbar ist.

Hier ein Vergleich, der dir bei der Entscheidung hilft:

  • Derinkuyu: Tiefer (8 Stockwerke vs. 4 bei Kaymakli), beeindruckendere Architektur, größere Räume, weniger überlaufen
  • Kaymakli: Breitere Gänge, leichter zugänglich, besser für Menschen mit Platzangst, kürzerer Rundgang

Mein Tipp: Wenn du nur eine unterirdische Stadt besuchen kannst, wähle Derinkuyu. Die Anlage ist einfach weitaus beeindruckender. Wenn du aber genug Zeit hast, lohnt sich durchaus auch ein Abstecher nach Kaymakli, denn beide haben ihren eigenen Charakter. Mehr zu den Highlights der Region findest du in meinem Beitrag über die besten Kappadokien Sehenswürdigkeiten.

Derinkuyu Schmaler Gang

Praktische Tipps für deinen Besuch in Derinkuyu

Eintritt und Öffnungszeiten

  • Öffnungszeiten: Täglich von 8:00 bis 17:00 Uhr (im Sommer bis 19:00 Uhr)
  • Eintritt: Rund 650 TL (ca. 16 Euro, Stand 2026), es gibt auch Kombi-Tickets mit Kaymakli
  • Dauer: Plane etwa 45 bis 60 Minuten für den Rundgang ein

Was du beachten solltest

  • Kleidung: Unter der Erde ist es mit konstant 13 Grad deutlich kühler als draußen. Nimm eine leichte Jacke mit, auch im Sommer.
  • Schuhwerk: Feste Schuhe sind Pflicht. Die Gänge können rutschig sein und es gibt viele Stufen.
  • Platzangst: Manche Gänge sind sehr eng und niedrig. Wenn du unter Klaustrophobie leidest, solltest du das vorher bedenken.
  • Beste Besuchszeit: Komm früh morgens oder spät nachmittags, um den größten Touristenströmen zu entgehen. Die Mittagszeit ist besonders voll.
  • Reisezeit: Die beste Reisezeit für Kappadokien ist von Mai bis Oktober. Mehr dazu in meinem Beitrag zum Reisewetter in der Türkei.

Derinkuyu Abgang

Anreise nach Derinkuyu

Derinkuyu liegt etwa 30 Minuten südlich von Nevsehir. Du hast mehrere Möglichkeiten:

  • Mietwagen: Die flexibelste Option. Von Goreme aus sind es etwa 40 Minuten. Tipps zum Autofahren in der Türkei findest du in meinem separaten Beitrag.
  • Organisierte Tour: Die meisten Kappadokien-Touren (Grüne Tour) beinhalten einen Besuch in Derinkuyu oder Kaymakli.
  • Dolmus: Von Nevsehir fahren regelmäßig Minibusse nach Derinkuyu.

Derinkuyu und Kappadokien: Was du sonst noch erleben kannst

Derinkuyu ist natürlich nur eines von vielen unglaublichen Erlebnissen in Kappadokien. Wenn du schon mal in der Region bist, solltest du dir auf keinen Fall folgende Highlights entgehen lassen:

  • Heißluftballonfahrt: Das absolute Highlight. Alles was du wissen musst, findest du in meinem Beitrag zur Kappadokien Heißluftballonfahrt.
  • Ihlara-Tal: Eine spektakuläre Schlucht mit byzantinischen Felsenkirchen. Mehr dazu in meinem Beitrag über das Ihlara-Tal.
  • Goreme Freilichtmuseum: Felsenkirchen mit wunderschönen Fresken aus dem 10. bis 12. Jahrhundert.
  • Uchisar: Die höchste Felsenburg Kappadokiens mit einem atemberaubenden Panorama.

Falls du auch einen Abstecher nach Konya planst, das ist von Derinkuyu aus in etwa zwei Stunden zu erreichen und auf jeden Fall einen Besuch wert.

Derinkuyu Gang

Mein Fazit zu Derinkuyu

Spoiler Alert: Derinkuyu hat mich komplett umgehauen. Ich dachte, ich hätte in Kappadokien schon alles gesehen, die Feenkamine, die Ballonfahrten, die Felsenkirchen. Aber dann stehst du plötzlich 50 Meter unter der Erde in einer Kirche, die vor über tausend Jahren aus purem Fels gehauen wurde, und realisierst, dass diese Menschen etwas Unglaubliches geschaffen haben.

Derinkuyu ist für mich einer der faszinierendsten Orte, die ich in der Türkei besucht habe. Es ist nicht der glamouröseste oder fotogenste Spot, aber es ist einer, der dich zum Staunen bringt und dir noch lange im Gedächtnis bleibt. Wenn du also eine Reise nach Kappadokien planst, setz Derinkuyu unbedingt auf deine Liste. Du wirst es nicht bereuen.

Warst du schon mal in Derinkuyu oder einer anderen unterirdischen Stadt? Schreib mir gerne in die Kommentare, ich bin gespannt auf deine Erfahrungen!

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Geschrieben von

Tina

Gründerin von Geheimtipp Türkei. Ich teile meine Liebe zur Türkei, meine Erfahrungen und hilfreiche Reisetipps für deinen perfekten Türkeiurlaub.