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ReisezieleGuide · 8 Minuten Lesezeitvon Tina

Mardin: Die Steinstadt hoch über Mesopotamien

Entdecke Mardin in Südostanatolien: Sehenswürdigkeiten, kulinarische Highlights, Reisetipps und warum die Steinstadt über Mesopotamien dich verzaubern wird.

Mardin: Die Steinstadt hoch über Mesopotamien

Es gibt Orte, die vergisst du einfach nicht mehr. Mardin ist so ein Ort. Ich erinnere mich noch genau, wie wir mit dem Auto die letzten Kilometer auf der Landstraße zurücklegten und plötzlich am Horizont diese Stadt auftauchte, die sich wie ein Adlerhorst an den Hang eines Hügels klammert. Darunter erstreckte sich die unendliche Weite der mesopotamischen Ebene. Ich habe im Auto nur gesagt: Wow. Mehr war einfach nicht nötig.

Mardin liegt im Südosten der Türkei und gehört zu den faszinierendsten Städten des Landes. Die honigfarbenen Steinhäuser, die sich übereinander den Hang hinaufstapeln, die uralten Klöster und Medresen, die engen Gassen voller Geschichten und der Blick über die endlose Ebene Mesopotamiens machen diese Stadt zu etwas ganz Besonderem. Hier treffen arabische, kurdische, syrisch-christliche und türkische Kultur aufeinander, und genau das spürst du in jedem Winkel.

Lass mich dir heute Mardin zeigen, so wie ich es erlebt habe. Mit allen Highlights, praktischen Tipps und den kleinen Momenten, die diese Stadt unvergesslich machen.

Mardin auf einen Blick: Was du vorab wissen solltest

Mardin ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in Südostanatolien. Die Altstadt thront auf einem Hügel auf etwa 1.000 Metern Höhe und bietet einen atemberaubenden Blick über die mesopotamische Tiefebene. Was viele nicht wissen: Mardin hat eine unglaublich vielfältige Geschichte. Hier haben Assyrer, Römer, Araber, Seldschuken und Osmanen ihre Spuren hinterlassen.

Mardin Stadtansicht mit Minaretten über der mesopotamischen Ebene

Die Stadt teilt sich in zwei Bereiche: die historische Altstadt am Hang und die moderne Neustadt darunter. Dein Ziel ist ganz klar die Altstadt, denn hier spielt sich alles ab, was Mardin so besonders macht. Die Hauptstraße, die sogenannte 1. Cadde, zieht sich wie eine Lebensader durch die Altstadt und ist der perfekte Ausgangspunkt für deine Erkundungstour.

Vorab lass gesagt sein, dass Mardin im Sommer extrem heiß werden kann. Temperaturen von über 40 Grad sind im Juli und August keine Seltenheit. Die beste Reisezeit ist daher das Frühjahr (April bis Juni) oder der Herbst (September bis November). Dann sind die Temperaturen angenehm und du kannst die Stadt in Ruhe erkunden. Mehr dazu findest du auch in meinem Beitrag über das Reisewetter in der Türkei.

Die schönsten Sehenswürdigkeiten in Mardin

Mardin steckt voller historischer Schätze. Hier sind die Highlights, die du auf keinen Fall verpassen solltest.

Zinciriye Medrese (Sultan Isa Medresesi)

Die Zinciriye Medrese ist für mich das absolute Highlight von Mardin. Diese islamische Hochschule wurde 1385 vom letzten Artuklu-Sultan Melik Necmettin Isa erbaut und liegt direkt unterhalb der Burg. Was diesen Ort so besonders macht, ist nicht nur die wunderschöne Architektur mit den beiden markanten Kuppeln und dem imposanten Eingangsportal. Von der Dachterrasse hast du einen der besten Aussichtspunkte der gesamten Stadt. Der Blick über Mardin und die mesopotamische Ebene ist schlicht und einfach überwältigend.

Zinciriye Medrese in Mardin mit Blick auf die mesopotamische Ebene

Kasimiye Medrese

Die Kasimiye Medrese ist die zweite große Koranschule in Mardin und mindestens genauso beeindruckend. Der Bau wurde bereits im 14. Jahrhundert begonnen und erst 1469 unter Kasim Ak Koyunlu fertiggestellt. Besonders schön ist der Innenhof mit seinem Brunnen und den zwei Stockwerken voller detailreicher Steinmetzarbeiten. Hier kannst du in aller Ruhe sitzen, einen Tee trinken und die Atmosphäre auf dich wirken lassen.

Die Burg von Mardin (Mardin Kalesi)

Ganz oben auf dem Hügel thront die alte Festung, die Mardin seinen Beinamen Adlerhorst eingebracht hat. Leider ist die Burg selbst aktüll nicht für Besucher zugänglich, da sie militärisch genutzt wird. Trotzdem lohnt sich der Aufstieg durch die engen Gassen, denn der Weg ist das Ziel. Mit jedem Schritt nach oben wird der Blick über die Stadt und die Ebene spektakulärer.

Die Große Moschee (Ulu Cami)

Die Ulu Cami ist die älteste Moschee in Mardin und wurde ursprünglich sogar als christliche Kirche erbaut, bevor sie im Jahr 639 zur Moschee umgewandelt wurde. Das markante Minarett ist eines der Wahrzeichen der Stadtsilhoütte und von vielen Punkten in der Altstadt sichtbar. Die Moschee liegt direkt an der Hauptstraße und ist ein schöner Zwischenstopp beim Bummel durch die Altstadt.

Das Deyrulzafaran Kloster (Mor Hananyo)

Etwa sieben Kilometer außerhalb der Stadt liegt eines der ältesten christlichen Klöster der Welt. Das Deyrulzafaran Kloster, auch als Safrankloster bekannt, war jahrhundertelang der Sitz des syrisch-orthodoxen Patriarchen. Die Geschichte dieses Ortes reicht bis ins 5. Jahrhundert zurück, und die Atmosphäre dort ist wirklich einzigartig. Ich habe diesem besonderen Ort einen eigenen Beitrag gewidmet: Mor Hananyo Kloster (Deyrulzafaran).

Sonnenaufgang über Mardin mit Blick auf die mesopotamische Ebene

Die antike Stadt Dara

Etwa 30 Kilometer südöstlich von Mardin liegt die antike Stadt Dara, eine der beeindruckendsten archäologischen Stätten der Region. Die römische Garnisonsstadt wurde im 6. Jahrhundert erbaut und beeindruckt mit unterirdischen Zisternen, einer Nekropole und den Ruinen einer einst mächtigen Festung. Auch hierzu findest du alle Details in meinem ausführlichen Beitrag: Dara: Die vergessene antike Stadt bei Mardin.

Mardins Altstadt: Ein Spaziergang durch die Geschichte

Was Mardin von vielen anderen türkischen Städten unterscheidet, ist die Altstadt selbst. Die honigfarbenen Steinhäuser, die sich wie Stufen den Hang hinaufziehen, bilden ein einzigartiges Stadtbild. Die Altstadt von Mardin steht übrigens auf der Vorschlagsliste für das UNESCO-Weltkulturerbe, und das völlig zu Recht.

Historische Steinhäuser in der Altstadt von Mardin

Die 1. Cadde ist die Hauptstraße und führt dich einmal quer durch die Altstadt. Hier findest du kleine Geschäfte, Cafes, Handwerker und Seifenmacher. Besonders die traditionelle Mardin-Seife aus Olivenöl und verschiedenen Kräutern ist ein tolles Mitbringsel. Nimm dir Zeit, in die kleinen Seitengassen abzubiegen. Dort findest du oft die schönsten Ecken und die authentischsten Begegnungen.

Das ist nicht nur ein Spaziergang, es ist auch eine Reise durch verschiedene Kulturen. Arabische Inschriften neben syrisch-christlichen Kreuzen, osmanische Architektur neben artukidischen Verzierungen. Mardin ist ein lebendiges Museum, in dem verschiedene Völker und Religionen seit Jahrhunderten zusammenleben.

Essen in Mardin: Kulinarische Highlights

Die Küche von Mardin ist ein Erlebnis für sich und unterscheidet sich deutlich von dem, was du vielleicht aus der westlichen Türkei kennst. Hier treffen arabische, kurdische und assyrische Einflüsse aufeinander, und das schmeckst du in jedem Gericht.

Gewürze und Spezialitäten auf einem türkischen Basar

Diese Spezialitäten solltest du unbedingt probieren:

  • Kaburga Dolmasi (Gefüllte Rippchen): Ein Signature-Gericht aus Mardin. Lammrippchen werden mit einer würzigen Reis-Fleisch-Füllung zubereitet und langsam im Ofen gegart. Absolut köstlich.
  • Irok (Gefüllte Fleischbällchen): Diese kleinen Kunstwerke aus Bulgur und Hackfleisch werden mit einer speziellen Gewürzmischung verfeinert und sind ein echtes Geschmackserlebnis.
  • Sembusek: Ein knuspriges Gebäck mit Fleischfüllung, das du an vielen Straßenständen findest. Perfekt als Snack zwischendurch.
  • Mardin Kebabi (Zwiebel-Kebab): Eine regionale Kebab-Variante mit viel Zwiebeln und besonderen Gewürzen, die es so nur hier gibt.
  • Badem Sekeri (Kandierte Mandeln): Das perfekte Mitbringsel aus Mardin. Diese kandierten Mandeln sind eine lokale Spezialität und einfach unwiderstehlich.

Wenn du mehr über die türkische Küche erfahren möchtest, schau dir auch meinen Beitrag über das türkische Frühstück an. Denn auch in Mardin beginnt der Tag am besten mit einem ausgiebigen Kahvalti.

Rund um Mardin: Ausflüge in die Region

Mardin ist ein idealer Ausgangspunkt, um den faszinierenden Südosten der Türkei zu erkunden. Die Region Mesopotamien hat so viel zu bieten, dass du am liebsten mehrere Wochen bleiben möchtest.

Neben dem bereits erwähnten Deyrulzafaran Kloster und der antiken Stadt Dara lohnen sich auch Ausflüge nach Midyat, eine weitere Steinstadt mit wunderschönen historischen Häusern und dem berühmten Kloster Mor Gabriel. Von Mardin aus erreichst du Midyat in etwa einer Stunde.

Wenn du eine größere Rundreise planst, empfehle ich dir, Mardin mit den anderen Highlights der Region zu verbinden. Sanliurfa mit dem heiligen Fischteich und Gaziantep mit seiner legendären Küche liegen beide in erreichbarer Nähe. Auch der Berg Nemrut mit seinen riesigen Steinköpfen ist von Mardin aus als Tagesausflug oder Zwischenstopp machbar. Mardin gehört außerdem zu den 25 schönsten Städten der Türkei.

Praktische Tipps für deine Reise nach Mardin

Damit deine Reise nach Mardin reibungslos verläuft, habe ich dir die wichtigsten Infos zusammengestellt.

Anreise

Mardin hat einen eigenen Flughafen (MQM), der von Turkish Airlines und anderen Fluggesellschaften bedient wird. Von Istanbul aus dauert der Flug etwa zwei Stunden. Alternativ kannst du auch über den Flughafen Diyarbakir anreisen und von dort mit dem Bus oder Mietwagen weiterfahren. Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, findest du hilfreiche Tipps in meinem Beitrag zum Autofahren in der Türkei.

Unterkunft

In der Altstadt von Mardin gibt es wunderbare Boutique-Hotels in historischen Steinhäusern. Diese sogenannten Konak-Hotels bieten ein authentisches Erlebnis und oft eine Dachterrasse mit Panoramablick über die mesopotamische Ebene. Die Preise sind im Vergleich zur Westküste sehr fair. Für ein gutes Boutique-Hotel zahlst du etwa 50 bis 80 Euro pro Nacht. Achte darauf, ein Hotel in der Altstadt zu wählen, denn von dort erreichst du alles zu Fuß.

Fortbewegung

Die Altstadt von Mardin erkundest du am besten zu Fuß. Die 1. Cadde ist flach und gut begehbar, aber die Seitengassen können steil sein. Bequeme Schuhe sind ein Muss. Für Ausflüge außerhalb der Stadt empfehle ich einen Mietwagen. Es gibt auch lokale Minibusse zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Umgebung.

Wie viele Tage für Mardin einplanen?

Für Mardin selbst reichen zwei volle Tage, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu sehen und die Atmosphäre der Altstadt zu genießen. Wenn du die Umgebung mit Dara, Midyat und dem Kloster erkunden möchtest, solltest du mindestens drei bis vier Tage einplanen.

Fazit: Warum du Mardin besuchen solltest

Mardin ist eine dieser Städte, die mich zutiefst berührt haben. Es ist nicht die Art von Touristenziel, die du auf jeder Postkarte siehst. Aber genau das macht den Reiz aus. Hier erlebst du die Türkei von einer ganz anderen Seite. Fern von den Stränden der Ägäis und den Touristenmassen in Istanbul zeigt sich hier eine uralte Kultur, die dich in ihren Bann zieht.

Die Kombination aus der atemberaubenden Lage über der mesopotamischen Ebene, der reichen Geschichte, der vielfältigen Kultur und der großartigen Küche macht Mardin zu einem Ort, den du unbedingt auf deine Reiseliste setzen solltest. Ich nehme dich gerne bei meinem nächsten Besuch wieder mit.

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Geschrieben von

Tina

Gründerin von Geheimtipp Türkei. Ich teile meine Liebe zur Türkei, meine Erfahrungen und hilfreiche Reisetipps für deinen perfekten Türkeiurlaub.