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Mor Hananyo Kloster (Deyrulzafaran): Das Safrankloster bei Mardin

Entdecke das Mor Hananyo Kloster bei Mardin: 1.600 Jahre Geschichte, praktische Besuchertipps, Öffnungszeiten und was dich im Safrankloster erwartet.

TTina
··8 Minuten Lesezeit
Mor Hananyo Kloster (Deyrulzafaran): Das Safrankloster bei Mardin

Stell dir vor, du stehst auf einer Terrasse, trinkst Safrantee und blickst über die endlose mesopotamische Ebene bis nach Syrien hinüber. Genau das erwartet dich am Mor Hananyo Kloster, einem der ältesten noch aktiven Klöster der Welt. Und ich verspreche dir: Dieser Ort wird dich sprachlos machen.

Das Mor Hananyo Kloster, auch bekannt als Deyrulzafaran oder das Safrankloster, liegt nur wenige Kilometer östlich der wunderschönen Stadt Mardin im Südosten der Türkei. Es ist nicht einfach nur ein altes Gebäude, sondern ein lebendiger Ort des Glaubens, der Kultur und einer Geschichte, die über 4.000 Jahre zurückreicht. Lass mich dich mitnehmen auf eine Reise zu einem der faszinierendsten Orte, die die Türkei zu bieten hat.

Warum heißt es Safrankloster?

Den Namen Deyrulzafaran, also Safrankloster, trägt das Mor Hananyo Kloster nicht ohne Grund. Eine alte Legende erzählt, dass beim Bau des Klosters Safran unter den Mörtel gemischt wurde. Das soll den Mauern nicht nur ihre warme, goldgelbe Farbe verliehen haben, sondern auch dafür gesorgt haben, dass es im Kloster stets angenehm duftet. Ob das stimmt oder ob die honigfarbene Kalkstein-Architektur einfach von Natur aus so leuchtet, sei dahingestellt. Schön ist die Geschichte allemal.

Übrigens: Im kleinen Klosterladen und Café kannst du bis heute Safranprodukte kaufen, darunter Safrantee und den hauseigenen assyrischen Wein namens Dzafaran. Das Etikett zeigt ein Bild des Klosters und ist ein wirklich schönes Mitbringsel.

Die faszinierende Geschichte des Mor Hananyo Klosters

Was mich an diesem Ort besonders beeindruckt, ist die schiere Tiefe seiner Geschichte. Hier reden wir nicht von ein paar hundert Jahren, sondern von einer Zeitspanne, die bis etwa 2000 v. Chr. zurückreicht.

Vom Sonnentempel zum Kloster

Lange bevor das Christentum hierher kam, stand an dieser Stelle ein Tempel, der dem assyrischen Sonnengott Schamasch gewidmet war. Die massiven Steingewölbe dieses antiken Tempels, die ganz ohne Mörtel gebaut wurden, sind heute noch unter dem Kloster erhalten. Ein Fenster ist so ausgerichtet, dass es den ersten Sonnenstrahl des Tages einfängt. Stell dir vor: Ein Raum, der seit 4.000 Jahren existiert und den du tatsächlich betreten kannst.

Später verwandelten die Römer den Ort in eine Festung. Im Jahr 493 n. Chr. wurde daraus schließlich ein christliches Kloster, gegründet von dem Mönch Mor Shlemon (Salomon). Im Jahr 793 kaufte und restaurierte Mor Hananyo, der Bischof von Mardin, die verfallene Anlage und gab ihr neues Leben. Seitdem trägt das Kloster seinen Namen.

Sitz der Patriarchen

Von 1166 bis 1932 war das Mor Hananyo Kloster der offizielle Sitz des Patriarchen der syrisch-orthodoxen Kirche. Ganze 766 Jahre lang war es das geistliche Zentrum einer der ältesten christlichen Gemeinschaften der Welt. In den Grabkammern des Klosters ruhen 53 Patriarchen und Metropoliten. Dieser Ort wird von manchen sogar als das Mekka der Assyrer bezeichnet.

Wegen der schwierigen politischen Lage nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Patriarchensitz 1932 zunächst nach Homs und 1957 nach Damaskus verlegt. Das Kloster blieb aber immer ein wichtiger Pilgerort.

Schwere Zeiten und Wiederaufbau

Die Geschichte des Klosters ist auch eine Geschichte des Überlebens. Persische Angriffe im 7. Jahrhundert, Zerstörungen durch Timur Lenk im 14. Jahrhundert, kurdische Überfälle und osmanische Konflikte: Immer wieder wurde das Kloster beschädigt oder geplündert, und immer wieder bauten es die Mönche auf. Diese Widerstandskraft ist bis heute spürbar, wenn man durch die alten Gänge und Höfe wandert.

Was du im Kloster sehen kannst

Das Kloster besteht aus einem weitläufigen, dreistöckigen Gebäudekomplex mit über 365 Räumen. Ja, du hast richtig gelesen: Einen Raum für jeden Tag des Jahres. Bei einer Führung bekommst du natürlich nur einen Teil davon zu sehen, aber der hat es in sich.

Der unterirdische Sonnentempel

Der absolute Höhepunkt ist der Gang in den unterirdischen Raum des ehemaligen Sonnentempels. Die Decke besteht aus schweren Steinblöcken, die seit Jahrtausenden ohne Mörtel halten. Es ist kühl, dunkel und die Atmosphäre ist schlicht überwältigend. Hier spürst du die Jahrtausende in den Knochen.

Die Marienkirche

Die älteste Kirche im Komplex stammt aus dem 6. Jahrhundert und ist etwa 153 Quadratmeter groß. Hier findest du byzantinische Mosaike, einen über 1.000 Jahre alten Taufstein und drei Holztüren von 1699, auf denen Psalmen Davids in aramäischer Schrift stehen. In dieser Kirche befindet sich auch eine historische Druckerpresse, die um 1874 aus England über Aleppo hierher kam und zum Druck von Büchern in Aramäisch, Arabisch und Türkisch verwendet wurde.

Die Hauptkirche Mor Hananyo

Die Hauptkirche wurde zwischen 491 und 518 n. Chr. unter dem byzantinischen Kaiser Anastasius errichtet. Sie besitzt ein pyramidenförmiges Dach, einen Glockenturm und die beeindruckende Grabkapelle Beit Qadishe (Haus der Heiligen), in der die Patriarchen ruhen. In den alten Patriarchenthron sind die Namen aller Patriarchen seit 792 eingeschnitzt.

Und das Besondere: Hier finden bis heute täglich Gottesdienste in Aramäisch statt. Aramäisch, die Sprache, die Jesus gesprochen haben soll. Allein das ist ein Gänsehaut-Moment.

Das Leben im Kloster heute

Das Mor Hananyo Kloster ist kein Museum. Es ist ein lebendiger Ort des Glaubens. Aktuell leben hier ein Bischof, der gleichzeitig als Abt fungiert, einige Mönche und etwa 15 Nonnen. Es gibt ein Knabeninternat, in dem christliche Schüler nachmittags in aramäischer Sprache und Liturgie unterrichtet werden, nachdem sie vormittags die staatlichen Schulen besucht haben.

In der Region Tur Abdin, dem historischen Kernland der syrisch-orthodoxen Christen, leben heute nur noch rund 10.000 aramäische Christen. Das macht den Besuch umso bedeutsamer: Du erlebst hier eine uralte Kultur, die trotz aller Widrigkeiten lebendig geblieben ist.

Besonders lebendig wird es zu Ostern, wenn Hunderte von Gläubigen aus der ganzen Region kommen, um gemeinsam die Messe zu feiern. Auch Weihnachten und die Fastenzeit sind besondere Anlässe, bei denen das Kloster aus seinem stillen Alltag ausbricht.

Praktische Tipps für deinen Besuch

Damit du bestens vorbereitet bist, hier die wichtigsten Infos für deinen Besuch am Mor Hananyo Kloster.

Öffnungszeiten und Eintritt

Das Kloster ist täglich geöffnet, und zwar in zwei Zeitfenstern:

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  • Vormittags: 09:00 bis 11:30 Uhr
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  • Nachmittags: 14:00 bis 17:30 Uhr
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Der Eintritt kostet 50 TL pro Person (Stand 2025) und beinhaltet eine geführte Tour. Die Führung dauert etwa 20 Minuten, danach kannst du dich frei im Kloster umsehen. Plane insgesamt mindestens eine Stunde ein, inklusive Safrantee im Klostercafé.

Anfahrt von Mardin

Das Kloster liegt etwa 5 bis 6 Kilometer östlich von Mardin. Die einfachste Möglichkeit ist ein Taxi. Ein Tipp: Vereinbare vorher einen Festpreis und eine Wartezeit, denn der Taxameter wird deutlich teurer. Es gibt leider keinen Bus zum Kloster.

Wenn du mit dem Mietwagen unterwegs bist, fährst du von Mardin aus auf der D955 Richtung Südosten und biegst dann auf die Eski Kale Yolu ab. Die Strecke ist gut ausgeschildert.

Manche Besucher kombinieren das Kloster mit einem Ausflug zur antiken Stadt Dara, da es praktisch auf dem Weg liegt. Das kann ich dir nur empfehlen.

Tipps für deinen Besuch

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  • Trage angemessene Kleidung, da es ein aktives Kloster ist. Schultern und Knie sollten bedeckt sein.
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  • Probiere unbedingt den Safrantee und die Safranplätzchen im Klostercafé.
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  • Der assyrische Wein Dzafaran aus dem Klosterladen ist ein tolles Souvenir.
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  • Früh am Morgen ist es ruhiger und du kannst die Atmosphäre besser genießen.
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  • Die Terrasse bietet einen spektakulären Blick über die mesopotamische Ebene. Nimm dir Zeit dafür.
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Mardin: Die perfekte Basis für deinen Besuch

Das Mor Hananyo Kloster ist einer der Top-Gründe, warum sich eine Reise nach Mardin lohnt, aber bei Weitem nicht der einzige. Mardin selbst ist mit seinen eleganten Kalksteinhäusern, die sich terrassenförmig an den Berghang schmiegen, eine der schönsten Städte der Türkei. Mehr dazu findest du in meinem Beitrag über die 25 schönsten Städte der Türkei.

Die Region Südostanatolien ist überhaupt ein echtes Abenteuer. Wenn du schon mal dort bist, solltest du unbedingt auch einen Abstecher nach Gaziantep machen, das für seine unglaubliche Küche berühmt ist. Oder du besuchst den Berg Nemrut mit seinen beeindruckenden Königsgräbern und riesigen Steinskulpturen.

Vorab lass gesagt sein, dass der Südosten der Türkei nicht so touristisch erschlossen ist wie die Mittelmeerküste. Das macht ihn aber gerade so besonders. Hier erlebst du die Türkei von ihrer authentischsten Seite. Informiere dich vor deiner Reise trotzdem über aktuelle Reisewarnungen für die Türkei, um auf dem neuesten Stand zu sein.

Mein Fazit zum Mor Hananyo Kloster

Das Mor Hananyo Kloster ist einer dieser Orte, die man eigentlich gesehen haben muss, wenn man die Türkei wirklich verstehen will. Hier treffen sich Jahrtausende an Geschichte: von einem assyrischen Sonnentempel über eine römische Festung bis hin zu einem der wichtigsten Zentren des syrisch-orthodoxen Christentums. Und das alles an einem Ort, der bis heute lebt und atmet.

Das Safrankloster bei Mardin ist nicht nur eine Sehenswürdigkeit, es ist eine Zeitreise. Und wenn du dort auf der Terrasse sitzt, deinen Safrantee trinkst und über Mesopotamien blickst, verstehst du, warum dieser Ort seit Tausenden von Jahren Menschen anzieht. Ich hoffe, ich konnte dich ein wenig inspirieren, diesen besonderen Flecken der Türkei auf deine Reiseliste zu setzen.

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Geschrieben von

Tina

Gründerin von Geheimtipp Türkei. Ich teile meine Liebe zur Türkei, meine Erfahrungen und hilfreiche Reisetipps für deinen perfekten Türkeiurlaub.

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