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Olympos und Cirali: Antike Ruinen, ewige Flammen und Schildkröten

Olympos und Cirali an der lykischen Küste: Antike Ruinen, die ewigen Flammen von Yanartas, Schildkröten am Strand und Baumhaus-Übernachtungen.

TTina
··9 Minuten Lesezeit
Olympos und Cirali: Antike Ruinen, ewige Flammen und Schildkröten

Stell dir vor, du stehst an einem Strand, der so unberührt wirkt, als hätte ihn die Zeit vergessen. Hinter dir liegen antike Ruinen, die langsam von der Natur zurückerobert werden, und irgendwo auf dem Berg über dir brennen seit Jahrtausenden Flammen aus dem nackten Fels. Klingt wie aus einem Abenteuerroman? Willkommen in Olympos und Cirali.

Als ich das erste Mal von diesem Ort gehört habe, war ich sofort fasziniert. Ein Hippie-Dorf an der lykischen Küste, antike Ruinen direkt am Strand, ewige Feuer auf einem Berg und Meeresschildkröten, die hier ihre Eier ablegen. Ich nehme dich heute dabei mit auf eine Reise zu einem der letzten echten Geheimtipps an der türkischen Mittelmeer-Küste. Denn während sich die Touristen an den großen Badeorten der türkischen Riviera drängen, schlummert nur eine kurze Autofahrt entfernt ein Paradies, das du dir auf keinen Fall entgehen lassen solltest.

Strand von Olympos an der lykischen Küste bei Kemer

Wo liegen Olympos und Cirali?

Olympos und Cirali liegen an der lykischen Küste, etwa 80 Kilometer südwestlich von Antalya. Beide Orte teilen sich eine wunderschöne Bucht und einen gemeinsamen Strand, sind aber von unterschiedlichen Seiten aus erreichbar. Cirali ist ein kleines, ruhiges Dorf mit Pensionen und Baumhaus-Unterkünften, während Olympos eher für seine antiken Ruinen und die legendären Baumhäuser bekannt ist.

Vom Flughafen Antalya brauchst du mit dem Auto etwa 90 Minuten. Du kannst auch einen Dolmus (Sammeltaxi) von Antalya oder Kemer nehmen. Von Kemer aus sind es noch etwa 50 Kilometer Richtung Süden. Die Anfahrt allein ist schon ein Erlebnis, denn die Straße schlangelt sich durch dichte Pinienwälder und bietet immer wieder atemberaubende Ausblicke aufs türkisblaue Meer.

Beide Orte liegen im Olympos-Beydaglari-Nationalpark, was bedeutet, dass die gesamte Region unter Naturschutz steht. Große Hotelbauten sind hier nicht erlaubt, und genau das macht den besonderen Reiz dieses Fleckchens Erde aus. Die Natur hat hier noch das Sagen.

Die antike Stadt Olympos

Antike Tempelruinen von Olympos an der lykischen Küste

Olympos war einst eine bedeutende lykische Hafenstadt und gehörte zum Lykischen Bund. Gegründet wurde die Stadt vermutlich im 2. Jahrhundert vor Christus, und sie erlebte ihre Blütezeit in der römischen Epoche. Die Stadt war so wohlhabend, dass sie eigene Münzen prägen durfte. Was Olympos so besonders macht: Die Ruinen liegen nicht eingezäunt und aufgeräumt da wie in vielen anderen Ausgrabungsstätten, sondern sie sind von der Natur fast vollständig überwuchert.

Wenn du durch die antike Stadt wanderst, entdeckst du ein römisches Bad, Reste einer Basilika aus dem 5. Jahrhundert, ein beeindruckendes Hafenmausoleum mit Sarkophagen und die Überreste eines Tempels mit einer Widmung an Kaiser Marcus Aurelius. Ein kleiner Fluss teilt die Ruinen in zwei Hälften, und am Ende des Weges erreichst du den wunderbaren Strand von Olympos. Feigenbäume und Lorbeerbüsche wachsen zwischen den alten Mauern, und es fühlt sich an, als würde man durch einen verwunschenen Garten spazieren.

Vorab lass gesagt sein, dass der Eintritt in die archäologische Stätte kostenpflichtig ist. Mit dem Museumspass kommst du jedoch kostenlos rein. Plane für deinen Besuch mindestens zwei bis drei Stunden ein, denn das Gelände ist weitläufig und es gibt viel zu entdecken. Wenn du dich für antike Stätten begeisterst, solltest du unbedingt auch meinen Beitrag über die antike Stadt Phaselis lesen, die ebenfalls in der Nähe liegt. Auch Patara an der lykischen Küste ist einen Besuch wert.

Yanartas: Die ewigen Flammen der Chimaera

Ewige Flammen der Chimaera am brennenden Berg bei Cirali

Das war definitiv eines meiner absoluten Highlights. Yanartas, auf Deutsch "brennender Stein", ist ein Naturphänomen, das seinesgleichen sucht. Auf einem Berghang oberhalb von Cirali brennen seit Jahrtausenden kleine Flammen aus Felsspalten. Das Gas, das hier aus dem Gestein austritt, ist hauptsächlich Methan, das sich bei Kontakt mit Sauerstoff spontan entzündet. Das Faszinierende daran: Diese Flammen brennen ununterbrochen, Tag und Nacht, bei Regen und bei Sonnenschein, seit mindestens 2.500 Jahren.

Die griechische Mythologie erzählt, dass hier die feuerspeiende Chimaera lebte, ein Ungeheuer mit dem Kopf eines Löwen, dem Körper einer Ziege und dem Schwanz einer Schlange. Der Held Bellerophon soll sie auf seinem geflügelten Pferd Pegasus bezwungen haben. Manche Forscher glauben sogar, dass das olympische Feuer ursprünglich von diesen ewigen Flammen inspiriert wurde. Ob das stimmt oder nicht, es ist auf jeden Fall eine schöne Geschichte.

Lass mich dir verraten, wie du das Beste aus deinem Besuch machst: Geh am besten in der Dämmerung los. Der Aufstieg vom Parkplatz dauert etwa 20 bis 30 Minuten über einen steilen, steinigen Pfad von rund 800 Metern. Zieh unbedingt feste Schuhe an und nimm eine Taschenlampe mit. Wenn es dann dunkel wird und die Flammen im Fels leuchten, ist das ein wirklich magischer Moment. Der Eintritt ist bis 22 Uhr möglich.

Es gibt zwei Feuerfelder auf dem Berg. Das untere Feld wird am häufigsten besucht und ist leichter erreichbar. Das obere Feld liegt etwa einen Kilometer weiter oben und ist deutlich ruhiger. Einige Besucher bringen sogar Marshmallows oder Teekessel mit und nutzen die natürlichen Flammen zum Aufwärmen. Das ist nicht nur ein einzigartiges Erlebnis, es macht natürlich auch großartige Fotos. Wenn du gerne wanderst, findest du in meinem Beitrag über den Lykischen Weg weitere tolle Routen in der Gegend.

Der Strand von Cirali und die Caretta-Caretta-Schildkröten

Meeresschildkröte Caretta Caretta im Mittelmeer

Der etwa 3 Kilometer lange Kiesstrand von Cirali gehört zu den schönsten Stränden der gesamten türkischen Küste. Was ihn so besonders macht: Es gibt hier keine Bettenburgen, keine laute Strandbar und keine Jetskis. Der Strand ist Brut- und Schutzgebiet der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta), und das prägt den ganzen Ort.

Von Mai bis August kommen die bis zu 1,20 Meter großen Meeresschildkröten an den Strand, um ihre Eier abzulegen. Jede Schildkröte grabt ein Nest in den Sand und legt dort etwa 80 bis 100 Eier ab. Wenn du zwischen August und September hier bist, kannst du mit etwas Glück sogar die kleinen Baby-Schildkröten auf ihrem Weg ins Meer beobachten. 2023 wurden am Strand von Cirali über 120 Nester gezählt und rund 5.000 kleine Schildkröten sind geschlüpft. Aus diesem Grund gibt es am Strand auch keine künstliche Beleuchtung in der Nacht, denn das Licht würde die frisch geschlüpften Schildkröten auf ihrem Weg ins Meer verwirren.

Das Wasser ist kristallklar und perfekt zum Schwimmen. Beachte aber, dass der Strand aus Kieselsteinen besteht. Strandschuhe sind also absolut empfehlenswert. Es gibt einige wenige einfache Restaurants direkt am Strandrand, wo du frischen Fisch und türkische Spezialitäten genießen kannst. Wenn du noch mehr über die schönsten Strände der Türkei erfahren möchtest, schau dir meinen Beitrag über die 7 besten Strände in der Türkei an.

Baumhäuser und der besondere Vibe von Olympos

Olympos und Cirali haben sich ihren ganz eigenen Charakter bewahrt. Während an anderen Küsten der Türkei riesige Hotelkomplexe stehen, findest du hier kleine Pensionen, gemütliche Bungalows und die legendären Baumhäuser. Ja, du hast richtig gelesen: In Olympos kannst du tatsächlich in einem Baumhaus übernachten.

Die Baumhäuser sind einfache Holzhütten auf Stelzen oder zwischen Bäumen, oft mit eigener kleinen Terrasse und Hängematte. Von der Budget-Variante für Backpacker bis zum romantischen Baumhaus mit eigenem Bad gibt es alles. Erwarte keinen Luxus, aber genau das ist der Charme. Viele Unterkünfte bieten auch Halbpension mit leckerer türkischer Hausmannskost an, und abends sitzt man gemeinsam mit anderen Reisenden am Lagerfeuer.

Cirali hat seit den 1990er-Jahren eine lebendige alternative Szene angezogen. Der Ort strahlt eine entspannte Hippie-Atmosphäre aus, die man an der türkischen Riviera sonst kaum noch findet. Hier läuft alles etwas langsamer, etwas bewusster. Es gibt kleine Restaurants mit Bio-Küche, Yoga-Retreats und Künstler, die sich hier niedergelassen haben. Orangenbäume und Granatapfelbäume säumen die wenigen Wege, und in der Luft liegt der Duft von Pinien und Jasmin.

Weitere Aktivitäten rund um Olympos und Cirali

Neben den antiken Ruinen, den ewigen Flammen und dem Strand hat die Region noch einiges mehr zu bieten. Hier ein paar Ideen, womit du deinen Aufenthalt füllen kannst:

  • Wandern: Der berühmte Lykische Weg führt direkt durch die Region. Besonders die Etappe von Cirali nach Adrasan oder von Olympos nach Ulupinar sind traumhaft schön.
  • Klettern: Olympos ist ein bekannter Kletter-Hotspot mit über 100 Routen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden.
  • Canyoning: In den umliegenden Schluchten werden geführte Canyoning-Touren angeboten, die richtig Spaß machen.
  • Bootstouren: Von Cirali aus kannst du Bootsausflüge entlang der Küste unternehmen und versteckte Buchten entdecken.
  • Yoga und Wellness: Mehrere Unterkünfte bieten Yoga-Kurse und Meditationsworkshops an, perfekt zum Entspannen.

Wenn du noch mehr über Wandern in der Türkei erfahren möchtest, findest du in meinem ausführlichen Beitrag viele weitere Tipps und Routenvorschläge.

Praktische Tipps für deinen Besuch

Wanderweg entlang der lykischen Küste bei Olympos

Damit du deinen Trip nach Olympos und Cirali optimal planen kannst, hier meine wichtigsten Tipps auf einen Blick:

  • Beste Reisezeit: Mitte März bis Ende Mai und Mitte September bis Ende November. Im Hochsommer kann es sehr heiß werden. Mehr dazu in meinem Beitrag über das Reisewetter in der Türkei.
  • Anreise: Vom Flughafen Antalya mit Mietwagen (ca. 90 Min.) oder per Bus/Dolmus über Kemer. Einige Unterkünfte bieten auch einen Shuttle-Service an.
  • Yanartas besuchen: Am besten in der Dämmerung starten. Feste Schuhe, Taschenlampe und Wasser mitnehmen. Aufstieg ca. 20-30 Minuten.
  • Schildkröten: Von Mai bis September. Bitte halte Abstand und störe die Nester nicht. Kein Blitzlicht verwenden.
  • Unterkunft: In Cirali eher gemütliche Pensionen und Boutique-Hotels, in Olympos die berühmten Baumhäuser. Früh buchen in der Hochsaison.
  • Strand: Strandschuhe mitnehmen, da Kiesstrand. Sonnenschirm und Verpflegung selbst mitbringen, das Angebot am Strand ist begrenzt.
  • Geld: Es gibt in Cirali nur wenige Geldautomaten. Nimm sicherheitshalber genug Bargeld mit oder zahle in den größeren Pensionen mit Karte.
  • Internet: WLAN gibt es in den meisten Unterkünften, aber erwarte keine Highspeed-Verbindung. Das gehört zum Digital Detox dazu.

Lohnt sich ein Besuch in Olympos und Cirali?

Spoiler Alert: absolut. Olympos und Cirali sind einer der wenigen Orte an der türkischen Mittelmeer-Küste, die noch ihren ursprünglichen Charme bewahrt haben. Hier triffst du auf eine einzigartige Mischung aus Natur, Geschichte und Entspannung, die du so nirgendwo anders findest.

Ob du durch antike Ruinen wanderst, abends am Lagerfeuer der Chimaera sitzt, morgens den Schildkröten am Strand zuschaust oder einfach in der Hängematte deines Baumhauses die Seele baumeln lässt: Dieser Ort hat etwas Magisches. Und das Beste daran? Er ist noch nicht vom Massentourismus überrollt worden.

Wenn du auf der Suche nach einem besonderen Reiseziel in der Türkei bist, das Abenteuer und Erholung verbindet, dann ist Olympos und Cirali genau das Richtige für dich. Kombiniere deinen Besuch am besten mit einem Ausflug zu den Sehenswürdigkeiten in Antalya oder einer Wanderung auf dem Lykischen Weg, und du hast einen unvergesslichen Türkei-Urlaub. Ich bin mir sicher, dass du dich genauso in diesen Ort verlieben wirst wie ich.

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Geschrieben von

Tina

Gründerin von Geheimtipp Türkei. Ich teile meine Liebe zur Türkei, meine Erfahrungen und hilfreiche Reisetipps für deinen perfekten Türkeiurlaub.

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