Stell dir vor: Du sitzt in deinem Mietwagen, die Fenster sind heruntergelassen, eine warme Meeresbrise weht dir ins Gesicht und vor dir erstreckt sich eine endlose Küstenstraße mit Blick auf türkisblaues Wasser. Genau so fühlt sich ein Roadtrip durch die Türkei an und ich kann dir sagen, es gibt kaum etwas Schöneres.
Mein Mann und ich haben in unserer Zeit in der Türkei unzählige Kilometer auf türkischen Straßen zurückgelegt. Von der Ägäis bis ans Schwarze Meer, von kleinen Bergdörfern bis zu lebhaften Küstenstädten. Und jedes Mal haben wir neue Ecken entdeckt, die uns sprachlos gemacht haben. In diesem Beitrag nehme ich dich mit auf die drei schönsten Roadtrip-Routen, die ich dir aus vollem Herzen empfehlen kann.
Vorab lass gesagt sein, dass ein Roadtrip in der Türkei wirklich für jeden etwas ist. Egal ob du historische Ruinen liebst, von Traumstränden träumst oder einfach die unglaubliche türkische Küche an jeder Ecke genießen willst. Alles, was du brauchst, ist ein Mietwagen, etwas Abenteuerlust und diese drei Routen. Mehr zum Thema Autofahren findest du übrigens in meinem Beitrag über Autofahren in der Türkei.
Mietwagen in der Türkei: Was du wissen musst
Bevor wir zu den Routen kommen, ein paar wichtige Tipps zum Thema Mietwagen. Denn ohne Auto wird das mit dem Roadtrip natürlich schwierig.
- Kosten: Ein Mietwagen kostet in der Türkei je nach Saison zwischen 20 und 50 Euro pro Tag für einen Kleinwagen. In der Hochsaison (Juni bis September) solltest du unbedingt im Voraus buchen, da die Preise sonst deutlich steigen.
- Anbieter: Internationale Anbieter wie Europcar, Sixt oder Enterprise gibt es an allen größeren Flughäfen. Lokale Anbieter sind oft günstiger, aber achte unbedingt auf die Versicherungsbedingungen.
- Versicherung: Nimm immer eine Vollkasko ohne Selbstbeteiligung. Das gibt dir ein ruhiges Gefühl auf den manchmal etwas abenteuerlichen türkischen Straßen.
- Führerschein: Dein deutscher Führerschein reicht aus. Ein internationaler Führerschein ist empfehlenswert, aber in der Praxis selten nötig.
- Tanken: Benzin kostet in der Türkei ähnlich wie in Deutschland. Tankstellen gibt es überall, auch auf den ländlicheren Strecken.
- Navigation: Google Maps funktioniert hervorragend und zeigt sogar aktülle Verkehrsdaten an. Lade dir die Karten am besten offline herunter.
Falls du mit deinem eigenen Auto anreisen möchtest, schau dir meinen ausführlichen Beitrag Mit dem Auto in die Türkei an. Dort findest du alles zu Routen, Maut und Grenzübergängen.
Und wenn du wissen möchtest, was ein Türkei-Urlaub insgesamt kostet, empfehle ich dir meinen Beitrag Was kostet ein Türkei-Urlaub 2026.
Route 1: Die Ägäis-Küste (Izmir - Bodrum - Fethiye)
Diese Route ist mein absoluter Favorit für Erstlings-Roadtripper in der Türkei. Die Ägäis-Küste verbindet alles, was die Westürkei so besonders macht: antike Stätten, malerische Buchten, lebhafte Städte und dieses unvergleichliche Licht, das alles in warmes Gold taucht.
Die Strecke im Überblick
- Gesamtlänge: ca. 600 km
- Empfohlene Dauer: 7 bis 10 Tage
- Beste Reisezeit: Mai bis Juni oder September bis Oktober
- Startpunkt: Flughafen Izmir (ADB)
Tag 1-2: Izmir und Umgebung
Dein Abenteuer startet in Izmir, der drittgrößten Stadt der Türkei und einem echten Geheimtipp. Izmir wird von vielen Touristen links liegen gelassen, dabei hat die Stadt so viel zu bieten. Schlendere über die Kordon-Promenade am Meer, probiere frischen Fisch in Alsancak und besuche den historischen Kemeralti-Basar.
Von Izmir aus lohnt sich ein Tagesausflug nach Ephesus, eine der am besten erhaltenen antiken Städte der Welt. Die Celsus-Bibliothek hat mich beim ersten Besuch wirklich umgehauen.
Tag 3-4: Kusadasi und Pamukkale
Weiter geht es die Küste hinunter nach Kusadasi. Von hier aus kannst du einen Abstecher ins Landesinnere nach Pamukkale machen (ca. 3 Stunden einfache Fahrt). Die weißen Kalksteinterrassen mit den türkisblauen Thermalbecken sind wirklich so beeindruckend, wie sie auf den Fotos aussehen.
Tag 5-6: Bodrum
Bodrum ist das Saint-Tropez der Türkei, nur deutlich gemütlicher und authentischer. Die weißen Häuser, die sich den Hügel hinauf zur imposanten Kreuzritterburg ziehen, sind einfach bilderbuchmäßig. Hier kannst du morgens über den Fischmarkt schlendern, nachmittags in versteckten Buchten schwimmen und abends das lebhafte Nachtleben genießen.
Spoiler Alert: Du wirst länger bleiben wollen, als du geplant hast.
Tag 7-10: Dalyan und Fethiye
Von Bodrum geht es weiter Richtung Osten. Ein Stopp in Dalyan ist Pflicht. Die Bootsfahrt zu den lykischen Felsengräbern und dem Iztuzu-Strand, wo Unechte Karettschildkröten nisten, ist eines dieser Erlebnisse, die du nie vergessen wirst.
Dein Ziel ist Fethiye mit der weltberühmten Blauen Lagune von Ölüdeniz. Ich nehme dich heute dabei mit: Stell dir vor, du stehst auf dem Babadag-Berg und schaust hinunter auf dieses unwirklich blaue Wasser. Ob Paragliding oder einfach nur Staunen, hier schlägt das Herz schneller.
Route 2: Die Lykische Küste (Antalya - Kas - Fethiye)
Wenn du mich fragst, welche Küste der Türkei die dramatischste Landschaft hat, dann ist es die Lykische Küste. Steile Klippen, die ins Meer abfallen, versteckte Buchten, antike Ruinen mitten im Wald und Strände, die aussehen, als wären sie einem Bildschirmschoner entsprungen.
Die Strecke im Überblick
- Gesamtlänge: ca. 300 km
- Empfohlene Dauer: 5 bis 7 Tage
- Beste Reisezeit: April bis Juni oder September bis November
- Startpunkt: Flughafen Antalya (AYT)
Tag 1-2: Antalya
Starte deine Tour in Antalya, meiner zweiten Heimat. Die Altstadt Kaleici mit ihren osmanischen Häusern, der alte Hafen und die Düdüen-Wasserfälle sind ein perfekter Einstieg. Ich liebe es, morgens durch die engen Gassen zu schlendern und in einem der kleinen Cafes einen türkischen Tee zu trinken.
Tag 3: Olympos und Cirali
Etwa 80 km westlich von Antalya liegt Olympos, eine antike Stadt, die malerisch in einer Schlucht zum Meer hin liegt. Gleich nebenan in Cirali kannst du abends die Chimära sehen, ewige Flammen, die seit Jahrtausenden aus dem Felsen lodern. Das ist nicht nur faszinierend, es ist natürlich auch eine der romantischsten Erfahrungen, die du in der Türkei machen kannst.
Tag 4-5: Kas
Kas ist für mich der schönste kleine Ort an der gesamten türkischen Küste. Keine riesigen Hotelburgen, kein Massentourismus, sondern ein charmantes Künstlerdorf mit bunten Bougainvillea-Gassen, kleinen Boutiquen und fantastischen Restaurants.
Lass mich dir verraten, wie du den perfekten Tag in Kas verbringst: Morgens Frühstück mit Blick aufs Meer, dann eine Bootstour zur versunkenen Stadt Kekova, nachmittags Schnorcheln in der Kaputas-Bucht und abends frischen Fisch im Hafen.
Tag 6-7: Kalkan und Fethiye
Von Kas nach Fethiye führst du über eine der schönsten Küstenstraßen der Türkei. Der Kaputas-Strand zwischen Kas und Kalkan ist ein absolutes Highlight. Diese kleine Bucht mit dem türkisblauen Wasser, eingerahmt von hohen Felsen, ist wirklich atemberaubend.
In Fethiye angekommen, gönne dir eine Bootstour durch die Zwölf Inseln und besuche das Grab des Amyntas, ein beeindruckendes Felsengrab aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.
Route 3: Die Schwarzmeerküste (Samsun - Trabzon - Artvin)
Jetzt wird es richtig spannend, denn diese Route kennen die wenigsten. Die Schwarzmeerregion ist das bestgehüete Geheimnis der Türkei. Vergiss türkisblaues Mittelmeer, hier erwarten dich sattgrüne Berge, nebelverhangene Teetälder, wilde Flüsse und eine Kultur, die dich überraschen wird.
Die Strecke im Überblick
- Gesamtlänge: ca. 400 km
- Empfohlene Dauer: 5 bis 7 Tage
- Beste Reisezeit: Juni bis September (weniger Regen)
- Startpunkt: Flughafen Samsun (SZF) oder Trabzon (TZX)
Tag 1-2: Samsun und Ordu
Samsun ist eine lebhafte Hafenstadt und dein Tor zur Schwarzmeerküste. Von hier fährst du die Küste entlang nach Osten. Die Straße schlangelt sich durch Haselnussplantagen und kleine Fischerdörfer. In Ordu solltest du unbedingt mit der Seilbahn auf den Boztepe fahren, der Blick über die Stadt und das Schwarze Meer ist grandios.
Tag 3-4: Trabzon und Sumela-Kloster
Trabzon ist das kulturelle Herz der Schwarzmeerküste. Das absolute Highlight ist das Sumela-Kloster, ein orthodoxes Kloster aus dem 4. Jahrhundert, das spektakulär in eine steile Felswand gebaut wurde. Die Fahrt dorthin durch den Altindere-Nationalpark ist allein schon ein Erlebnis.
In Trabzon selbst solltest du unbedingt die Hagia Sophia besuchen (ja, es gibt auch hier eine!) und auf dem lokalen Markt die berühmte Schwarzmeer-Küche probieren. Pide aus Trabzon, Hamsi (Sardellen) und Kuymak (eine Art Käse-Fondü) sind absolute Must-Trys.
Tag 5-6: Uzungöl und Ayder
Von Trabzon geht es ins Landesinnere zum Uzungöl, einem wunderschönen Bergsee umgeben von dichten Wäldern. Die Landschaft erinnert eher an die Schweiz als an die Türkei, und genau das macht sie so besonders.
Weiter nach Ayder, einem kleinen Hochlanddorf in den Kackar-Bergen. Hier gibt es heiße Quellen, traditionelle Holzhäuser und Wanderwege, die dich durch alpine Landschaften führen. Wer hätte gedacht, dass die Türkei so aussehen kann?
Tag 7: Artvin und Umgebung
Das Finale deines Schwarzmeer-Roadtrips ist die Provinz Artvin. Die Fahrt dorthin ist spektakulär, durch enge Täler und über hohe Pässe. Die Doppelbrücke von Artvin und die georgischen Kirchen aus dem Mittelalter zeigen, wie vielfältig die Türkei kulturell ist.
Praktische Tipps für deinen Türkei-Roadtrip
Kosten im Überblick
- Mietwagen: 20-50 Euro pro Tag (Kleinwagen)
- Benzin: ca. 15-25 Euro pro Tag je nach Strecke
- Übernachtung: Budget-Pensionen ab 25 Euro, Mittelklasse-Hotels 40-80 Euro, Boutique-Hotels ab 80 Euro pro Nacht
- Essen: Lokale Restaurants 5-15 Euro pro Mahlzeit
- Gesamtbudget: Rechne mit 60-120 Euro pro Tag für zwei Personen (ohne Mietwagen)
Übernachtung unterwegs
Die Türkei hat für jeden Geschmack und Geldbeutel die passende Unterkunft. Mein Tipp: Buche die erste und letzte Nacht im Voraus und lass dich dazwischen treiben. An der Küste findest du überall kleine Pensionen (Pansiyon), die oft von Familien betrieben werden und deutlich charmanter sind als große Hotels.
Für die Hauptsaison (Juli/August) empfehle ich allerdings, die Unterkünfte an den beliebten Orten wie Kas, Fethiye oder Bodrum vorab zu reservieren.
Sicherheit und Verkehr
Autofahren in der Türkei ist anders als in Deutschland, aber absolut machbar. Die Hauptstraßen sind in gutem Zustand, auf Nebenstrecken kann es aber auch mal holprig werden. Mehr dazu erfährst du in meinem Beitrag über Autofahren in der Türkei.
Ein paar Dinge, die du beachten solltest:
- Fahre defensiv und rechne mit überraschenden Manövern anderer Fahrer
- Geschwindigkeitsbegrenzungen werden kontrolliert, halte dich daran
- Nachts sind manche Straßen schlecht beleuchtet, plane Fahrten bei Tageslicht
- Auf Bergstraßen am Schwarzen Meer kann es Nebel geben, fahre vorsichtig
Beste Reisezeit
Die ideale Zeit für einen Roadtrip hängt von deiner Route ab. Generell empfehle ich die Monate Mai, Juni, September und Oktober. Dann ist das Wetter angenehm warm, es ist weniger voll und die Preise sind niedriger als in der Hochsaison. Alles zur besten Reisezeit findest du in meinem Beitrag zum Reisewetter in der Türkei.
Welche Route passt zu dir?
Zum Schluss noch eine kleine Orientierungshilfe:
- Ägäis-Route: Perfekt für Erstbesucher, Kulturliebhaber und alle, die eine gute Mischung aus Strand, Geschichte und Nachtleben suchen.
- Lykische Küste: Ideal für Naturliebhaber, Wanderer und alle, die dramatische Landschaften und kleine, charmante Orte bevorzugen.
- Schwarzmeerküste: Für Abenteurer und Entdecker, die das unbekannte Gesicht der Türkei kennenlernen möchten und auf Massentourismus verzichten können.
Egal für welche Route du dich entscheidest, ein Roadtrip durch die Türkei wird dich begeistern. Die Landschaften sind atemberaubend, die Menschen unglaublich gastfreundlich und das Essen, ja, das Essen allein ist schon eine Reise wert.
Ich würde mich riesig freuen, wenn du mir in den Kommentaren erzählst, welche Route dich am meisten anspricht oder ob du vielleicht sogar schon einen Roadtrip durch die Türkei gemacht hast. Iyi yolculuklar, das heißt gute Reise auf Türkisch!
