Wenn mich jemand fragt, welcher Ort in der Türkei mein Herz am meisten berührt hat, dann ist die Antwort ganz klar: Side. Über vier Jahre durfte ich diese kleine Halbinsel mein Zuhause nennen — und auch wenn sich in der Side Altstadt über die Jahre vieles verändert hat, eines ist geblieben: dieser ganz besondere Charme, den du spürst, sobald du durch das alte Stadttor spazierst.
Lass mich dich heute mitnehmen auf einen Streifzug durch die Gassen, vorbei an antiken Ruinen, gemütlichen Cafés und Glasböden, unter denen jahrtausendealte Mauern schlummern. Ich zeige dir die schönsten Sehenswürdigkeiten, verrate dir meine Lieblingsorte zum Essen und gebe dir alle praktischen Tipps für deinen Besuch.
Side Altstadt Walking TourDie Geschichte von Side — Vom Granatapfel zur Hafenstadt
Die antike Stadt Side liegt auf einer flachen Halbinsel mit einem kleinen Hafen an der Spitze. Der Name Side ist anatolischen Ursprungs und bedeutet übersetzt Granatapfel. Als die Stadt ihren Höhepunkt erreichte, prägte sie eigene Münzen, die häufig einen Granatapfel als Beizeichen trugen.
Die Geschichte der Stadt reicht bis ins 6./7. Jahrhundert v. Chr. zurück. In der Antike zählte Side zu den bedeutendsten Hafenstädten der Region Pamphylien. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Stadt von verschiedenen Mächten erobert — von den Persern über Alexander den Großen bis zu den Römern und Byzantinern. Unter römischer Herrschaft wurde Side zu einem wichtigen Handelszentrum mit beeindruckenden Bauten: römische Bäder, ein gewaltiges Amphitheater und ein bedeutender Hafen.
Heute findest du in der Side Altstadt beeindruckende Zeugnisse der römischen, byzantinischen und seldschukischen Kulturen. Die antike Stadt liegt teilweise unter dem heutigen Dorf Selimiye, das heute das touristische Zentrum bildet. Noch immer verbergen sich darunter Schätze, die bei Ausgrabungen nach und nach ans Licht kommen — sichtbar gemacht durch die faszinierenden Glasböden, die mittlerweile an vielen Stellen der Altstadt eingebaut wurden.
Sehenswürdigkeiten in der Side Altstadt
Von der zentralen Dolmuş-Haltestelle aus läufst du entlang der Agora, vorbei an den Überresten der Stadtmauern und dem Side Museum, durch das Stadttor bis in die Altstadt. So kannst du die meisten Sehenswürdigkeiten bequem zu Fuß abklappern.
Monumentalbrunnen (Nymphäum)
Direkt am Eingang der antiken Stadt empfängt dich das Nymphäum — ein beeindruckender Monumentalbrunnen aus dem 2. Jahrhundert, erbaut unter Kaiser Vespasian. Das Wasser wurde einst über ein Aquädukt vom Fluss Manavgat hierher geleitet.
Äußeres Stadttor und Stadtmauer
Vom äußeren Stadttor ist nur noch die Hälfte erhalten, aber du kannst dir gut vorstellen, wie imposant es einst zusammen mit der Stadtmauer als Eingang zur Stadt wirkte.
Kolonnadenstraße
Die Säulenstraße war in der Antike von Geschäften gesäumt — eine Art antike Einkaufsmeile. Angrenzend lagen die Wohnviertel der Stadt. Heute stehen noch einige der hohen Granitsäulen, die einen tollen Eindruck von der einstigen Pracht vermitteln.
Agora und Tyche-Tempel
Die römische Staatsagora war ein zentraler Marktplatz, umgeben von zwei Säulenreihen aus Granit. Direkt daneben findest du die Überreste des kreisförmigen Tempels der Tyche — der römischen Glückgöttin gewidmet.
Römisches Theater
Das Theater von Side war das größte im alten Pamphylien und bot Platz für rund 15.000 Zuschauer. Durch An- und Umbauten wurde es später auch als Arena für Gladiatoren- und Tierkämpfe genutzt. Wenn du ähnliche antike Theater liebst, schau dir auch Aspendos an — das besterhaltene römische Theater der Türkei.
Side Museum
Das archäologische Museum befindet sich direkt außerhalb des Stadttores in einem ehemaligen römischen Badehaus. Es mag klein sein, bietet aber eine beachtliche Sammlung: Statuen, Reliefs, Schmuck, Münzen, Alltagsgegenstände und sogar drei Sarkophage.
Wichtig: Es ist ein neues, größeres Museum in Planung, das das seit 1962 bestehende kleine Museum ersetzen soll. Es kann daher sein, dass das Museum zeitweise wegen Renovierung eingeschränkt geöffnet ist — prüfe am besten vor deinem Besuch den aktuellen Status.
Glasstraße
Ein echtes Highlight und etwas, das Side von anderen antiken Stätten unterscheidet: An vielen Stellen der Altstadt wurden Straßenabschnitte durch Glasplatten ersetzt. Darunter siehst du die freigelegten Grundmauern früherer Epochen. Besonders schön: Ab Dämmerung werden die Ruinen unter den Glasböden beleuchtet — ein magischer Anblick, wenn du abends durch die Gassen schlenderst.
Apollon-Tempel
Das Wahrzeichen von Side — und für mich einer der schönsten Orte an der gesamten Türkischen Riviera. An der Spitze der Halbinsel stehen die Überreste der Tempel, die Apollon und Athene gewidmet waren. Der Apollon-Tempel ist frei zugänglich und kostenlos — und besonders zum Sonnenuntergang ein absolutes Muss. Wenn die letzten Sonnenstrahlen durch die antiken Säulen fallen und das Meer golden leuchtet, ist das ein Moment, den du nicht vergisst.
Staatsagora und Kaisersaal
Etwas versteckt liegen die Ruinen der Staatsagora und des Kaisersaals. Du gelangst dorthin bei deinem Spaziergang durch die Gassen oder folgst ganz am Anfang dem Weg der Kolonnadenstraße.
Side im Wandel: Was sich in der Altstadt verändert hat
Ich muss ehrlich sein: Die Side Altstadt von heute ist nicht mehr die gleiche wie vor fünf oder zehn Jahren. Es hat sich viel getan — und nicht alles davon finden alle gut. Aber ich finde, dass Side seinen Charme trotz aller Veränderungen behalten hat.
Was sich konkret geändert hat: Die Stadt durchläuft eine umfassende Transformation. Nicht genehmigte Gebäude wurden abgerissen und werden im traditionellen Stil neu aufgebaut. Die Altstadt ist mittlerweile weitgehend autofrei — du parkst außerhalb und gehst zu Fuß oder nimmst einen Shuttle. Die Gastronomie wird aufgewertet: Weg von billigen Souvenirläden, hin zu hochwertigen Restaurants und authentischen lokalen Produkten.
Ja, Side ist touristisch geworden — da mache ich keinen Hehl draus. Die Preise sind an Touristen angepasst und nicht immer günstig. Aber gerade diese Mischung aus Antike und modernem Leben, aus Geschichte und Urlaubsstimmung, macht für mich den besonderen Reiz aus. Ob unter Tags oder am Abend — ein Besuch lohnt sich nach wie vor.
Essen und Trinken: Meine Empfehlungen
Die Altstadt bietet unzählige Restaurants und Cafés — von türkischem Frühstück über Mittagssnacks bis hin zu einem stimmungsvollen Abendessen mit Hafenblick. Hier meine persönlichen Favoriten:
Apollonik Cafe Bar
Mein absoluter Lieblingsort in Side. Das Apollonik gibt es seit 1962 — es ist eines der ältesten Lokale der Altstadt und liegt direkt unten am Hafen, unweit des Apollon- und Athena-Tempels. Im Sommer sitzt du draußen unter einem großen Gummibaum, umgeben von Kletterpflanzen. Im Winter gemütlich drinnen. Hier gibt es keine aggressive Touristenwerbung, die Preise sind fair und das ganze Jahr über gleich — für Einheimische wie für Touristen. Probiere unbedingt die großen Garnelen in Knoblauch.
Azumare Lounge
Wenn du etwas Gehobeneres suchst, ist die Azumare Lounge eine tolle Wahl. Wunderschön dekoriert, direkt über dem Wasser, mit einer Art "Secret Garden"-Atmosphäre. Das Essen ist hervorragend und die Präsentation ein Traum. Die Preise sind etwas höher als im Durchschnitt, aber für die Qualität und das Ambiente absolut angemessen.
Tipps für deinen Besuch in der Side Altstadt
Anfahrt
Wenn du mit dem Dolmuş nach Side fährst, empfehle ich dir, ganz gemütlich vom Busbahnhof bis hoch zur Altstadt zu spazieren. Dabei entdeckst du nämlich bereits einige der gut erhaltenen Sehenswürdigkeiten. Mit dem Auto parkst du außerhalb der autofreien Zone — Tipps zum Autofahren in der Türkei findest du in meinem separaten Beitrag.
Eintrittspreise (Stand 2026)
- Theater + Museum (Kombiticket): ca. 17 EUR / 600 TL
- Apollon-Tempel: kostenlos, jederzeit zugänglich
- Glasstraße und Altstadt: kostenlos
Tipp: Falls du mehrere antike Stätten in der Region besuchen willst (z.B. auch Aspendos oder Seleukia), lohnt sich der Museum Pass Mediterranean — er deckt über 40 Museen und Stätten in der Region ab.
Wichtig: Im Museum und Theater wird ausschließlich in türkischer Lira oder per Kreditkarte bezahlt. Euro-Bargeld wird nicht akzeptiert.
Beste Besuchszeit
Die Altstadt kannst du jederzeit besuchen — die Gassen, Glasböden und der Apollon-Tempel sind rund um die Uhr zugänglich. Für das Museum und Theater gilt: täglich 08:00–17:00 Uhr.
Mein Tipp: Komm am späten Nachmittag und bleibe bis nach Sonnenuntergang. So erlebst du die Altstadt bei Tageslicht, geniesst den Sonnenuntergang am Apollon-Tempel und siehst anschließend die beleuchteten Glasböden in der Abenddämmerung. Drei Highlights an einem Abend.
Wenn du deinen Side-Besuch mit Ausflugszielen in der Umgebung kombinieren willst, schau dir den Manavgat Wasserfall oder den Manavgat Basar an. Und falls du noch eine Unterkunft suchst: Hier findest du die besten Hotels in Kumköy bei Side.
Lohnt sich ein Besuch der Side Altstadt?
Auf jeden Fall — und ich sage das nicht nur, weil Side für mich ein Stück Heimat ist. Die Mischung aus antiken Ruinen, charmanten Gassen, der Glasstraße und dem traumhaften Blick aufs Mittelmeer gibt es so nirgendwo anders. Ja, es ist touristisch. Ja, die Preise sind angepasst. Aber wenn du abends mit einem Getränk am Hafen sitzt, die beleuchteten Tempelsäulen im Blick und das Rauschen des Meeres im Ohr — dann verstehst du, warum ich diesen Ort so liebe.
Trau dich und mach dich auf in die Side Altstadt. Es lohnt sich — ob als kurzer Abstecher oder als ganzer Abend. Und wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja im Apollonik auf einen türkischen Tee.